Zusammenfassung: Berichten zufolge werden manche günstigen Smartphones inzwischen mit RAM aus ausgemusterten Geräten ausgeliefert. Die DRAM-Knappheit dahinter ist real. So gelangt gebrauchter Speicher in ein Produkt, und mit diesen vier Prüfungen halten Sie ihn fern.
Berichte aus Taiwan besagen diesen Monat, dass einige Hersteller extrem günstiger Smartphones RAM aus verschrotteten Geräten in neue einbauen. Die Chips sind fünf oder sechs Jahre alt, werden ausgelötet, getestet und auf neue Boards gelötet.
Die Berichte sind nicht bestätigt, und es werden keine Marken genannt. Die Knappheit dahinter ist aber real, und sie betrifft alle, die vernetzte Geräte bauen, nicht nur Smartphone-Hersteller.
Was berichtet wurde
Am 20. Oktober 2026 berichtete das taiwanische Portal TechNews, dass einige sehr günstige chinesische Smartphone-Marken LPDDR-Speicher aus alten Geräten wiederverwenden. TrendForce griff die Meldung auf. Laut TrendForce beschränkt sich die Praxis offenbar auf No-Name-Geräte im untersten Preissegment; Hersteller wurden nicht genannt.
Die konkrete Behauptung ist also mit Vorsicht zu geniessen. Wichtig ist der Grund, warum sie plausibel ist.
Warum das plausibel ist: die DRAM-Knappheit
Speicherhersteller verlagern ihre Produktionskapazität auf den High-Bandwidth-Speicher, den KI-Server brauchen. Der ältere Standard-DRAM, der in den meisten Embedded- und Consumer-Geräten steckt, bekommt davon weniger ab. Er dürfte bis ins Jahr 2027 knapp und teuer bleiben.
Für einen Gerätehersteller zeigt sich eine Knappheit auf drei Arten:
- Lange Lieferzeiten für genau das Bauteil, für das Ihr Board entworfen wurde.
- Allokation: Ihr Distributor kann Ihnen nur einen Teil der bestellten Menge liefern.
- Broker, die das Bauteil anbieten, das Sie nicht bekommen, aus Beständen, die niemand zurückverfolgen kann.
Beim dritten Punkt kommt gebrauchter Speicher ins Spiel.
Wie gebrauchter Speicher in ein Produkt gelangt
Kaum ein Hardware-Team würde wissentlich gebrauchten RAM kaufen. Das Risiko ist, ihn unwissentlich zu kaufen. Dafür gibt es drei typische Wege:
- Über einen Broker. Wenn der autorisierte Vertriebskanal nichts mehr hat, haben Broker noch etwas. Ein Teil davon ist echte Überschussware. Ein anderer Teil stammt von verschrotteten Boards, wurde gereinigt und neu beschriftet.
- Über einen Unterlieferanten. Auch Ihr Fertigungspartner ist knapp dran. Wenn der Vertrag nicht festlegt, woher der Speicher kommen muss, löst die Fabrik das Problem womöglich für Sie, ohne es zu sagen.
- In einem Modul. Wenn Sie ein System-on-Module oder eine fertige Baugruppe kaufen, hat jemand anderes den Speicher darauf beschafft. Sie übernehmen dessen Entscheidungen.
Ein wiederverwerteter Chip besteht oft einen einfachen Einschalttest. Das Gerät bootet. Die Probleme kommen später: höhere Ausfallraten nach Jahren früherer Nutzung, Schäden durch die Hitze beim Auslöten und ein Verhalten, das sich mit der Temperatur verändert. Bei einem Gerät, das jahrelang im Feld laufen muss, führt das zu Rücksendungen, Feldausfällen und einer schwer zu findenden Ursache.
Vier Prüfungen, die gebrauchten RAM fernhalten
Was Sie schützt, ist grösstenteils unspektakulär. Nichts davon ist teuer im Vergleich zu einer einzigen Charge mit Feldausfällen.
1. Autorisierte Beschaffung, im Vertrag festgeschrieben
Kaufen Sie Speicher beim Hersteller oder bei seinen autorisierten Distributoren. Schreiben Sie diese Regel dann in den Vertrag mit Ihrem Fertigungspartner, auch für Ersatzteile. „Gleichwertiges Bauteil“ darf nie „irgendein Bauteil von irgendwoher“ bedeuten.
2. Wareneingangsprüfung, die sich den Chip ansieht
Prüfen Sie, was tatsächlich auf dem Board oder auf der Rolle ist, nicht nur die Papiere:
- Beschriftungen und Datumscodes, die zur Bestellung und zueinander passen
- Spuren von Nacharbeit: ungleichmässige Lotkugeln, Kratzer, neue Beschriftung
- Die ID, die der Chip elektronisch meldet, verglichen mit dem, was auf dem Etikett steht
3. Ein Speicher-Stresstest am Bandende
„Es bootet“ ist kein Speichertest. Ein richtiger End-of-Line-Test fährt ein Stressmuster über den gesamten Speicher, sodass schwache Zellen und schlechte Lötstellen in der Fabrik ausfallen und nicht beim Kunden zu Hause.
4. Ein zweiter Speicherhersteller, qualifiziert, bevor Sie ihn brauchen
Der beste Zeitpunkt, eine zweite Bezugsquelle zu qualifizieren, ist vor der Knappheit. Ein Team mit nur einem freigegebenen Bauteil nimmt, was verfügbar ist, wenn dieses Bauteil ausgeht. Ein Team mit zwei kann wechseln.
Was wir bei LaMetric tun
Bei LaMetric Geräten unterstützt dasselbe Board RAM von Samsung und von Nanya. Wenn einer schwer zu bekommen ist, wechseln wir ohne Redesign zum anderen.
Jedes LaMetric Gerät durchläuft ausserdem im End-of-Line-Test einen RAM-Stresstest, egal von welchem Hersteller der Chip auf dem Board stammt. Zusammen mit dem restlichen Produktionstest hält das unsere Fertigungsfehlerquote unter 1 %.
Das Fazit
Eine Knappheit testet Ihre Lieferkette. Ihr Produktionstest zeigt, ob sie bestanden hat.
Wenn Sie im nächsten Jahr eine Serienfertigung planen, prüfen Sie jetzt drei Dinge. Legt Ihr Fertigungsvertrag fest, woher der Speicher kommen muss? Ist ein zweiter Speicherhersteller qualifiziert? Und würde Ihr End-of-Line-Test einen sechs Jahre alten RAM-Chip bemerken?
Wenn Sie sich zu Speicherbeschaffung oder End-of-Line-Tests austauschen möchten, sprechen wir gern darüber.
Quelle: Notebookcheck zu den Berichten von TechNews und TrendForce (auf Englisch).











































